Übersicht der Provinzen

Kirchenprovinz Ostpreußen

Ostpreußen, das ursprünglich Preußen genannte Territorium, gelangte im 17. Jahrhundert als Herzogtum unter die Herrschaft der in Brandenburg regierenden Hohenzollern. Es wurde namengebend für das spätere Königreich Preußen. Erst seit den polnischen Teilungen wurde das Gebiet als Provinz Ostpreußen bezeichnet, um es von der neuen Provinz Westpreußen zu unterscheiden. Hauptstadt war Königsberg (heute Kaliningrad), weitere größere Städte waren Tilsit und Memel. Bereits mit dem Versailler Vertrag verlor Ostpreußen das Memelland ganz im Norden der Provinz; der größte Teil dieses Gebietes gehört heute zu Litauen. Infolge des Zweiten Weltkriegs wurde auch das restliche Ostpreußen von Deutschland abgetrennt. Kaliningrad und das angrenzende Gebiet im Norden sind heute russisches Territorium, der südliche Teil (mit Masuren) gehört zu Polen.
Zahlreiche ostpreußische Kirchenbücher wurden im Herbst 1944 nach Westen ausgelagert, um sie vor Kriegsschäden zu schützen. Während der Auslagerung wurde wiederum ein Teil durch Brandstiftung vernichtet. Die erhalten gebliebenen und einige beschädigte Bücher befinden sich in unserem Archiv. Der Bestand ist auf Grund der Kriegsverluste lückenhaft. Von vielen Gemeinden sind keine Kirchenbücher überliefert, von anderen nur einzelne; von wiederum anderen ist der gesamte Bestand im EZA erhalten.
In größeren Städten gab es mehrere Kirchengemeinden oder Pfarrstellen, von denen nicht alle Kirchenbücher zu uns gelangt sind. Aus Königsberg befindet sich ein großer Kirchenbuchbestand im EZA, der aber nur wenige Kirchenbücher nach 1874 enthält. Für die Zeit vor 1875 liegen Verfilmungen von ostpreußischen Kirchenbüchern, die teilweise im Original nicht mehr existieren, in der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig. Aber auch dort ist keine vollständige Überlieferung zu finden. Einige Kirchenbuchduplikate verwahrt das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem. Fremdverfilmungen dieser Zweitschriften können im Lesesaal des Kirchlichen Archivzentrums eingesehen werden; Suchaufträge werden in diesen Verfilmungen nicht durchgeführt. Datenbanken für Ostpreußen, mit denen geklärt werden kann, welche evangelischen Kirchengemeinden für einzelne Orte in Ostpreußen zuständig waren, stehen hier zur Verfügung: https://agoff.de/?p=27029. In vielen Fällen ist auch über die Genealogieseite GenWiki (http://wiki-de.genealogy.net) zu klären, welche evangelischen Kirchengemeinden zuständig waren, und ob etwas zum Verbleib der Kirchenbücher bekannt ist.
Sachbearbeiter für die Provinz Ostpreußen: Rolf Engelbart (rolf.engelbart@ezab.de)

Kirchenprovinz Westpreußen

Die Kirchenprovinz Westpreußen erstreckte sich entlang der Ostsee zwischen Pommern und Ostpreußen. Das Gebiet wurde im Wesentlichen durch die erste polnische Teilung 1772 Preußen angegliedert und fiel zum großen Teil nach dem Ersten Weltkrieg zurück an Polen, wobei die Stadt Danzig, die bedeutendste Stadt in diesem Gebiet, jeweils ein besonderes Schicksal hatte. Viele westpreußische Kirchenbücher wurden vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Westen ausgelagert. Daher ist ein umfangreicher, aber dennoch unvollständiger Bestand an Kirchenbüchern von evangelischen Kirchengemeinden aus Westpreußen erhalten und in unser Archiv gelangt. Für die Zeit vor 1875 befinden sich einige wenige Verfilmungen von westpreußischen Kirchenbüchern bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig. Auf der Internetseite http://westpreussen.de finden Sie unter der Rubrik „Forschungshilfen“ ein Ortsverzeichnis. Wenn Sie dort den bzw. die Ortsnamen eingeben, erscheinen die früher zuständigen Kirchengemeinden und Standesämter. Wenn Sie diese wiederum anklicken, werden die Laufzeiten sowie die die Unterlagen verwahrenden deutschen bzw. polnischen Archive oder Behörden angezeigt.

Sachbearbeiterin für die Provinz Westpreußen: Renate Rüb (Renate.Rueb@ezab.de)

Kirchenprovinz Brandenburg östlich der Oder

Zur Kirchenprovinz Brandenburg gehörte früher noch ein Gebietsteil östlich der Oder. Dieses Gebiet wurde 1945 abgetrennt und fiel an Polen. Es sind nur einige wenige Kirchenbücher vorhanden, die auf unterschiedlichen Wegen in unsere Kirchenbuchstelle gelangten. Kirchenbuchduplikate aus Ostbrandenburg befinden sich im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam und einige wenige in der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig.

Hilfreiche und wichtige Hinweise zum Verbleib der Kirchenbücher finden Sie im Bestandsverzeichnis von Georg Grüneberg "Kirchenbücher, Kirchenbuch-Duplikate und Standesamtsregister der ehemals brandenburgischen Kreise Königsberg, Soldin, Landsberg, Arnswalde, Friedeberg, Ost- und Weststernberg, Crosse, Züllichau-Schwiebus, Guben und Sorau (östl der Neiße), Schwerin, Meseritz, Bomst. Bestandsverzeichnis 2012". ISBN 978-3-9803515-3-0 (Druckerei & Verlag G. Grüneberg Lenzen).

Wichtiger Hinweis: Kirchenbücher aus dem Bereich des heutigen Bundeslandes Brandenburg liegen nicht in unserem Archiv. Dafür ist das Evangelische Landeskirchliche Archiv in Berlin (ELAB) zuständig. Es befindet sich ebenfalls im Kirchlichen Archivzentrum, Bethaniendamm 29, 10997 Berlin.

Sachbearbeiter für die Provinz Brandenburg: Hannah Nagel (Hannah.Nagel@ezab.de)

Kirchenprovinz Pommern

Die Kirchenprovinz Pommern, deren westlicher Teil heute zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern gehört, dehnte sich vor 1945 weiter nach Osten aus. Provinzhauptstadt war Stettin. Das Gebiet östlich der Oder (Hinterpommern) ist heute polnisch. Die Stettiner Kirchenbücher wurden kurz vor Kriegsende per Schiff über die Ostsee nach Hamburg ausgelagert. Von dort aus gelangten sie in die Berliner Kirchenbuchstelle. Das EZA verwahrt einen nahezu vollständigen Bestand an Kirchenbüchern evangelischer Kirchengemeinden in Stettin. Aus den übrigen Regionen Pommerns sind dagegen nur sehr wenige Kirchenbücher erhalten und im EZA vorhanden. Das Archiv der Pommerschen Evangelischen Kirche in Greifswald verwahrt einen kleinen Bestand an Kirchenbüchern aus Hinterpommern. Duplikate von pommerschen Kirchenbüchern befinden sich im Landesarchiv Greifswald. Für die Zeit vor 1875 liegen Verfilmungen von einigen wenigen pommerschen Kirchenbüchern bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig. (siehe Weiterführende Adressen).

Hilfreich für Familienforschende ist die Internetseite des genealogischen Vereins Pommerscher Greif e.V. (https://wwww-pommerscher-greif.de). Hier finden sich Hinweise zu Verwahrorten und digital nutzbaren Kirchenbüchern und es gibt die kostenlos nutzbare Personendatenbank GREIF-INDEX. Die Seite bietet Suchmöglichkeiten in Adressbüchern und Gemeindeverzeichnissen.

Sachbearbeiterin für die Provinz Pommern: Hannah Nagel (Hannah.Nagel@ezab.de)

Kirchenprovinz Posen

Die preußische Provinz Posen umfasste im Wesentlichen Gebiete, die Preußen durch die polnischen Teilungen bzw. durch den Wiener Kongress 1815 zugesprochen worden waren. Kirchlich wurden sie der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union eingegliedert. Nach dem Ersten Weltkrieg fielen sie wieder an Polen zurück. Während der NS-Zeit bildete das Gebiet der ehemaligen Provinz Posen einen Teil des Warthelandes. Aus Posen sind nur einige wenige Kirchenbücher vorhanden. Die Kreise Bromberg und Wirsitz gehörten seit 1940 zum Kirchengebiet Danzig-Westpreußen. Kirchenbücher aus diesen Kreisen sind daher zusammen mit dem westpreußischen Bestand durch das Danziger Kirchenbuchamt ausgelagert worden und, soweit sie erhalten sind, in unser Archiv gelangt. Aus anderen Kreisen liegen einzelne Bücher vor. Außerdem besitzen wir Verfilmungen einiger Kirchenbücher, deren Originale sich noch im Erzdiözesanarchiv Posen befinden.

Sachbearbeiter für die Provinz Posen: Hannah Nagel (Hannah.Nagel@ezab.de)

Kirchenprovinz Schlesien

Die Kirchenprovinz Schlesien schloss sich im Osten an Sachsen und Brandenburg an, im Süden wurde sie vom Riesengebirge begrenzt. Ein kleiner Teil Schlesiens liegt westlich der Neiße. Er gehört zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz und liegt im Freistaat Sachsen. Der größere Teil Schlesiens erstreckte sich östlich der Neiße, er gehört seit 1945 zu Polen. Die bedeutendste Stadt war Breslau (polnisch Wrocław).

Aus der ehemaligen preußischen Provinz Schlesien (östlich der Neiße) befinden sich nur ca.50 Kirchenbücher in unserer Kirchenbuchstelle. Nach Schätzungen wurden ca. 90% aller schlesischen Personenstandsunterlagen und Kirchenbücher im Zweiten Weltkrieg vernichtet. Das Archiv der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz in Görlitz verwahrt einzelne Kirchenbücher aus dem Teil Schlesiens östlich der Neiße. Für die Zeit vor 1875 liegen Verfilmungen von schlesischen Kirchenbüchern (vor allem katholische) bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig (siehe: Weiterführende Adressen). Es gibt einen größeren Bestand an Kirchenbüchern in kirchlichen und staatlichen Archiven in Polen. Auf der Internetseite der polnischen Staatsarchive sind die noch vorhandenen Kirchenbücher und die verwahrenden Archive abrufbar (https://www.szukajwarchiwach.gov.pl).

Sachbearbeiterin für die Provinz Schlesien: Renate Rüb (Renate.Rueb@ezab.de)

Kirchenbücher aus dem Gebiet Leipe/Rippin

Die Kreise Leipe (Lipno) und Rippin (Rypin) gehörten bis zum Zweiten Weltkrieg nicht zu den Provinzen Preußens, sondern standen unter russischer bzw. polnischer Verwaltung. Erst ab 1939 wurden sie als Kirchenkreis Leipe vom Konsistorium in Danzig kirchlich verwaltet. Die evangelischen Kirchenbücher der evangelischen, meist deutschstämmigen Bevölkerung gelangten infolge des Zweiten Weltkrieges nach Schwabach in Bayern. Im Jahr 1984 wurden sie der Kirchenbuchstelle des EZA übergeben.

Lediglich die Jahrgänge 1916 und 1917 sowie 1939 und 1940 der Kirchenbücher sind in deutscher Sprache, die meisten Jahrgänge in polnischer, gut lesbarer lateinischer Schrift geschrieben. Eine Besonderheit stellen die Jahrgänge von ca. 1878 bis 1918 dar. Diese wurden in russischer und kyrillischer Handschrift verfasst. Aus den kyrillisch geschriebenen Jahrgängen werden keine Auskünfte erteilt, es sei denn, in der Anfrage wird die Fundstelle mit Seite und Nummer benannt.

Die Kirchenbücher stehen, soweit aus konservatorischer und datenschutzrechtlicher Sicht vertretbar, zur Benutzung im EZA zur Verfügung. Sie werden derzeit digitalisiert.

Sachbearbeiterin für das Gebiet Leipe/Rippin: Hannah Nagel (Hannah.Nagel@ezab.de)

Militärkirchenbücher

Das EZA verwahrt etwa 750 Garnison- und Regimentskirchenbücher, die zumeist von evangelischen Garnisongemeinden in den ehemaligen östlichen Provinzen Preußens oder von Regimentern stammen, die überwiegend in diesen Provinzen stationiert waren. Eine Übersicht mit Bezeichnungen militärischer Einheiten sowie Laufzeiten der Militärkirchenbücher bietet: Wolfgang Eger: Verzeichnis der Militärkirchenbücher in der Bundesrepublik Deutschland (nach dem Stand vom 30. September 1990), Neustadt/Aisch 1993, S. 3-80.
Die Kirchenbücher stehen, soweit aus konservatorischer und datenrechtlicher Sicht vertretbar, zur Benutzung im EZA zur Verfügung. Ein größerer, teilweise den EZA-Bestand unmittelbar ergänzender Bestand an Militärkirchenbüchern aus den preußischen Ostprovinzen befindet sich im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem. Auch dieser Bestand ist im oben genannten Werk verzeichnet.

Sachbearbeiter für Militärkirchenbücher: Rolf Engelbart (rolf.engelbart@ezab.de)

Personenstandsunterlagen aus ehemaliegen deutschen Flüchtlings- und Internierungslagern in Dänemark

Von 1945 bis 1949 existierten in Dänemark mehrere Flüchtlingslager für deutsche Flüchtlinge vor allem aus West- und Ostpreußen. Sie standen in den letzten Kriegsmonaten unter deutscher, danach unter dänischer Verwaltung. Das EZA verwahrt Personenstandsunterlagen und kirchliche Dokumente aus diesen Lagern, darunter Geburts-, Tauf-, Heirats-, Sterbe- und Konfirmationsbescheinigungen. Der Bestand ist nicht vollständig; weitere Unterlagen befinden sich im Reichsarchiv Kopenhagen sowie im Lastenausgleichsarchiv in Bayreuth, einer Abteilung des Bundesarchivs.

Aus Gründen des Datenschutzes und konservatorischen Rücksichten ist der Bestand nicht zur Benutzung freigegeben. Suchaufträge zu Personen, die in dänischen Flüchtlingslagern geboren bzw. getauft oder konfirmiert wurden, heirateten oder starben, können an die Kirchenbuchstelle gerichtet werden.

Sachbearbeiter für Karteien aus dänischen Flüchtlingslagern: Rolf Engelbart (rolf.engelbart@ezab.de)

Auslandskirchenbücher

Das EZA verwahrt einen Bestand von ca. 110 Kirchenbüchern deutschsprachiger evangelischer Kirchengemeinden im Ausland. Es handelt sich unter anderem um Gemeinden in den ehemaligen deutschen Kolonien sowie aus deutschen Siedlungsgebieten im osteuropäischen Ausland.
Einige Kirchenbücher sind bereits digitalisiert. Soweit kein Datenschutz besteht, können Digitalisate bzw. Kirchenbücher im Benutzersaal des EZA eingesehen werden.
Sachbearbeiter für Auslandskirchenbücher: Rolf Engelbart (rolf.engelbart@ezab.de)

Kontaktaufnahme

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Bethaniendamm 29
10997 Berlin
Tel.: (030) 22 50 45 - 20
Fax:  (030) 22 50 45 - 40
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Publikationsdatum dieser Seite: 2022-01-25